Kinder zur Selbständigkeit erziehen – 7 wertvolle Tipps

Mit Kindern ist das Leben bunt, und oftmals auch anstrengend. So schön viele Tage auch sind, so fordernd können Kinder auch sein. Vor allem, wenn sie noch sehr jung und entsprechend unselbstständig sind. Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen ist daher eine wichtige und lohnenswerte Aufgabe.

Der Gedanke, der vielen Eltern in solchen Phasen hilft, lautet: Sie werden jeden Tag größer – und selbstständiger. Im Idealfall läuft es so. Oftmals stellen Eltern aber fest, dass die Selbstständigkeit der eigenen Kinder nichts ist, was sich ganz automatisch einstellt. Sie entwickelt sich nicht über Nacht, und manchmal bleiben Kinder und Jugendliche in Sachen Selbstständigkeit auch hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Warum ist das so? Nun, oftmals sind wir Eltern nicht ganz unschuldig, wenn der Nachwuchs in Sachen Konzentration und eigenständiges Tun nicht so handelt, wie wir uns das wünschen würden. Manchmal stehen sich nicht nur die Kinder selbst im Weg.

Vor allem wir Erwachsenen stehen unseren Kindern im Weg, wenn wir versuchen, ihnen alles recht zu machen, ihnen jede Schwierigkeit aus dem Weg zu räumen und sie nicht so zu fördern und zu fordern, wie ihr Alter das erlauben würde.

Wenn wir wollen, dass unser Nachwuchs selbstständig wird, Kraft und Ausdauer bei schwierigen Aufgaben entwickelt, müssen wir nicht nur zusehen und darauf hoffen, dass all dies von ganz alleine kommt. Als Eltern könnt ihr einiges dafür tun, um die Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen. Wir verraten 7 einfache Tipps, wie das im Alltag einfach gelingen kann.

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Tipp 1: Kinder nicht überbehüten

Selbstständig werden kann nur, wer auch selbstständig werden darf. Kinder und auch Jugendliche, die ständig von besorgten Eltern überbehütet werden, können keinen Mut und auch kein Selbstvertrauen entwickeln – und entsprechend auch kein selbstständiges Handeln.

Liebevolle Unterstützung, Hilfe, wenn Hilfe gewünscht wird, sind nie falsch. Aber Kinder müssen auch mit dem Gedanken aufwachsen, dass das Leben Aufgaben an sie stellt und dass die Eltern nicht immer alles für sie regeln können und müssen. Niemand schaut gerne zu, wenn das Kind Probleme hat, wenn es ihm nicht gut geht.

Die Lösung kann aber keinesfalls sein, ständig um das Kind zu kreisen und ihm damit von Vornherein jede Chance zu nehmen, sich zu einem selbstständigen Menschen zu entwickeln.

 

Tipp 2: Auch Misserfolge gehören dazu

Auf dem Weg zur altersgerechten Selbständigkeit geht es nicht nur steil bergauf. Nicht jeder Mut wird sofort belohnt, nicht immer ist ausreichend Konzentration vorhanden. Und ebenso gehört es auch dazu, dass Kinder und Jugendliche einmal scheitern.

Scheitern ist erlaubt und wichtig. Wer erlebt, dass auch eine Niederlage nicht den Untergang der Welt bedeutet, sondern vielleicht auch neue Wege aufzeigt, entwickelt so genannte Resilienz. Mit Resilienz meinen Psychologen die Fähigkeiten, auch mit Problemen gut umgehen zu können. Es ist für Eltern nicht leistbar, ihren Nachwuchs vor jedem Scheitern zu bewahren.

Selbst, wenn das in der Kindheit vielleicht noch gelingen mag: Wie sollen so selbständige Erwachsene erzogen werden, die Problemen mit Mut und Ausdauer begegnen? Hier müssen Eltern sich auch manchmal ganz bewusst zurücknehmen.

Trösten und liebevolles Begleiten der Emotionen, die ein Scheitern mit sich bringen kann, sind immer erlaubt. Aber ebenso ist es erlaubt, Misserfolge auch sehenden Auges zuzulassen und darauf zu vertrauen, dass Kinder lernen werden, damit umzugehen.

 

Tipp 3: Dem Kind altersgerechte Aufgaben geben

Selbständigkeit setzt selbstständiges Tun voraus. Nur, wer im Alltag altersgerechte Aufgaben erhält und mit dem Gedanken aufwächst, dass jeder in der Familie seinen Teil an Pflichten hat, kann Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Nur, wer weiß, dass jeder mithelfen muss und dass auch schon Kinder gewisse Aufgaben übernehmen können und sollen, entwickelt ein Gespür für notwendige Erledigungen.

Dabei geht es nicht darum, unnötige Risiken einzugehen mit dem Ziel, dass Kind selbstständig werden zu lassen. Aufgaben müssen zum Alter und auch zum Naturell des Kindes passen. Es ist aber bedenklich, wenn Teenager nicht in der Lage sind, ihr Bett zu machen, weil sie dies einfach noch nie tun mussten. Und das Grundschulkind kann sich ganz sicher sein Brot alleine schmieren und für eine Grundordnung im Kinderzimmer sorgen.

Aufgaben zu übernehmen ist nicht nur wichtig für die Entwicklung von Pflichtbewusstsein, sondern es kann den Kindern auch viel Spaß machen. Die allermeisten Kinder wollen ja helfen, sie wollen ernstgenommen werden und dazugehören. Aufgaben zu übernehmen, die für andere eine echte Hilfe sind, macht vielen Spaß und fördert ganz nebenbei ein gesundes Maß an Selbständigkeit.

 

Tipp 4: Einfach mal machen lassen!

Ja, wir kennen es alle: Manchmal kann man nicht hinsehen, wenn Kinder herumrennen oder unbedingt irgendetwas tun wollen, von dem wir wissen, dass das schiefgeht. Hier gilt es den richtigen Mittelweg zu finden. Sicherlich muss sich kein Kind erst schwer verletzten, um seine eigenen Erfahrungen zu machen.

Wobei auch da gilt, dass Eltern selbst bei bester Vorsicht und umsichtigem Verhalten nicht jeden Unfall verhindern können. Wir als Erwachsene wissen in der Tat vieles besser und können Risiken anders einschätzen. Dennoch muss man auch Kindern die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen zu machen.

Diese müssen ja nicht immer mit Lebensgefahr verbunden sein. In solchen Bereichen gilt klar, dass hier die elterliche Fürsorge wichtiger ist als jedes Herumprobieren im Sinne einer Förderung der Selbstständigkeit.

Wenn aber Kinder bei jedem Klettern auf einem altersgerechten Spielplatz nie etwas ausprobieren dürfen, weil die Mutter in Angstschweiß ausbricht oder wenn Kinder nie ihr Kinderzimmer selbst aufräumen dürfen, weil die mütterliche Grundordnung nicht gefährdet werden darf, dann können solche Kinder auch keine Selbstständigkeit entwickeln.

 

 

Tipp 5: Vorsicht vor Verwöhnen!

Ja, verwöhnen macht auch mal Spaß. Ein Kind muss sich alles selbst tun, was es theoretisch schon selbst kann. Wenn es den Eltern Freude bereitet, dem Kind morgens beim Anziehen zu helfen, auch wenn es das eigentlich schon alleine kann, so ist das in Ordnung. Immer vorausgesetzt, das Kind entwickelt sich gut und die Eltern führen nicht gleichzeitig Klage darüber, dass das Kind sich so bedauerlich unselbstständig zeigt.

Verwöhnen meint nämlich grundsätzlich, dass Eltern oder andere Bezugspersonen einem Kind Aufgaben, die es selbst erledigen könnte, immer wieder abnehmen oder das Kind in einem materiellen Überfluss aufwachsen lassen, der keinen realistischen Blick mehr auf die Welt erlaubt.

Auch hier gilt wieder: Wer selbstständiges Tun fördern möchte, muss dem Kind die Möglichkeit geben, auch eigenständig zu handeln und sich auch einmal für etwas anstrengen zu müssen. Wer permanent verwöhnt, gefährdet diese Entwicklung womöglich.

 

Tipp 6: Probleme offen ansprechen

Wenn Eltern glauben, ihr Kind müsse selbständiger werden, so nutzt es meist wenig, sich darüber stets umkonkret zu beklagen oder dem Kind gegenüber dieses Problem gar nicht anzusprechen. Probleme lösen kann man nur, wenn dem Kind klar ist, was von ihm erwartet wird.

Entsprechend kann man Kindern und Jugendlichen durchaus kommunizieren, dass man das Gefühl hat, das eigenständige Handeln bleibe hinter normalen Erwartungen zurück.

Solche Kritik sollte dem Kind gegenüber möglichst anschaulich erklärt werden, also mit konkreten Beispielen belegt werden. Kritik und Schimpfen bringt aber niemanden weiter. Es ist wichtig, Probleme offen anzusprechen, um dann aber auch sofort die Möglichkeit zu geben, es nun anders zu machen.

Hier müssen Eltern sich manchmal selbst prüfen: Sind auch wir bereit, dem Kind ernsthaft die Möglichkeit zu geben, selbstständiger zu handeln? Wie schon hier und in anderen unserer Blogbeiträge ausgeführt, können nur die Kinder selbstständiger werden, denen man auch konkret die Chance dazu gibt.

 

Tipp 7: Übung macht den Meister!

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Das gilt insbesondere für Kinder, die ihre ersten Erfahrungen im Schleifebinden oder im Brotschmieren machen. Und manchmal geht richtig was daneben, da kocht das Nudelwasser über oder der Teller zerspringt in tausend Scherben beim Versuch des Kindes, den Tisch schön zu decken.

Viele Aufgaben, die zu mehr Selbstständigkeit im Alltag führen, müssen mehrfach geübt werden. Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden, das Kind hat nicht an einem Tag Lesen gelernt und es wird auch meistens nicht an einem Tag Radfahren lernen oder Schokopudding kochen können.

Nur, was man wiederholt machen darf, Fehler inklusive, wird wirklich gelernt. Gebt euren Kindern die Chance dazu und ihr werdet mit selbstständigen jungen Menschen belohnt!

 

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